Case study

Der Wert ist vorhanden, doch Österreich's Museen erzählen ihn noch kaum

Österreichs Museen tun viel für Wellbeing und soziale Nachhaltigkeit, erzählen es aber kaum. Das zeigt unsere Erhebung, die wir für den Museumsbund Österreich durchgeführt und am Museumstag 2026 präsentiert haben. Die Frage dahinter: Was leisten Österreichs Museen für das Wohlbefinden der Menschen und für soziale Nachhaltigkeit – und wissen sie das eigentlich selbst? Der Titel verrät die Antwort schon: Der Wert ist vorhanden. Doch Österreichs Museen erzählen ihn noch kaum.

Wir fassen hier die wichtigsten Ergebnisse zusammen.

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350 Museen, 40 Fragen, 12 Dimensionen

Es wurden alle rund 800 registrierten Museen in Österreich angeschrieben, etwa 350 haben mitgemacht und im Zeitraum Juni bis September 2026 40 Fragen beantwortet. Rund die Hälfte der Museen in Österreich wird ehrenamtlich geführt – und so ist es auch in der Stichprobe.

Grundlage der Befragung ist der QWB Lab Rahmen mit zwölf Dimensionen von Wellbeing – inspiriert von der „Beyond GDP“-Initiative der OECD. Die Idee: Gesellschaftlichen Wert nicht nur an Besuchszahlen festmachen.

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Eine Selbsteinschätzung

Wichtig zu verstehen: Wir haben Selbsteinschätzungen erhoben. Die Ergebnisse zeigen also, wie Museen ihren Beitrag selbst sehen – nicht die gemessene Wirkung. Die Abbildung zeigt, wie die Museen ihren eigenen Beitrag zu allen zwölf Dimensionen auf einer Skala von 1 bis 10 bewerten.

Wenig überraschend ganz oben: Wissen und Kompetenzen mit 8,6 und kulturelle Kompetenz mit 8,4. Über 80% geben sich hier 8 bis 10 Punkte. Das ist das klassische Selbstverständnis von Museen. Spannender ist, was direkt dahinter kommt: das Museum als sicherer Ort zum Verweilen für Wohlbefinden und soziale Kontakte – also Bereiche, die in keiner Museumsstatistik auftauchen.Zurückhaltender schätzen sich die Museen bei Gesundheit, Work-Life-Balance und vor allem Einkommen ein – da liegen wir bei 5,2.

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Befund 1: Wellbeing ist längst da

Ein Grundbefund der ganzen Erhebung ist, dass Museen ihren Beitrag zum subjektiven Wohlbefinden mit 7,8 von 10 bewerten– aber nur knapp ein Viertel hat Formate, die ausdrücklich Erholung oder Entschleunigung fördern. Ist das ein Widerspruch? Nein. Die offenen Antworten zeigen: Wellbeing passiert in Museen ständig – beim gemeinsamen Singen, auf dem Spazierweg zwischen den Gebäuden, im Gespräch, in der Ruhe, im Eintauchen in eine Ausstellung. Es wird nur nicht so genannt. Fast zwei Drittel haben kostenfreie Aufenthaltsbereiche ohne Konsumzwang, ein Fünftel kooperiert bereits mit Gesundheitseinrichtungen.

Die Botschaft ist also: Nicht jedes Museum braucht einen Yoga-Kurs. Es geht darum, das Vorhandene bewusst zu gestalten und sichtbar zu machen.

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Befund 2: Praxis vor Verankerung

Die Praxis ist weiter als ihre formale Verankerung.

  • Beteiligung: Drei Viertel der Museen kooperieren mit lokalen Vereinen. Aber nur ein gutes Viertel hat Beiräte oder Programme, die gemeinsam mit der Bevölkerung entwickelt werden.
  • Sicherheit: Museen sehen sich als sichere Orte – mehr als ein Viertel antwortet sinngemäß: „Unser Museum ist auch so ein sicherer Ort.“ Emotionale Sicherheit im Konzept mitgedacht haben aber nur 23 %.
  • Nachhaltigkeit: Ein Drittel hat eine Strategie – aber fast 60 % machen ihre Maßnahmen gegenüber dem Publikum gar nicht sichtbar.

Das heißt: Es wird viel getan, aber wenig davon ist strategisch abgesichert oder wird aktiv erzählt.
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Befund 3: Wirkung wird kaum gemessen

Der vielleicht strategisch wichtigste Befund betrifft die Datengrundlage. Nur 12% der österreichischen Museen befragen ihr Publikum regelmäßig. Feedback-Möglichkeiten gibt es zwar in über 70% der Häuser – aber ein Gästebuch ist noch keine Wirkungsmessung. Gleichzeitig ist das Interesse groß: Knapp drei Viertel würden Daten zum gesellschaftlichen Wert ihres Hauses in der Öffentlichkeitsarbeit nutzen, rund die Hälfte intern und gegenüber Fördergeber:innen.

‍Es fehlt also nicht der Wille – es fehlen Daten, Begriffe und einfache Instrumente.

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Fazit

Österreichs Museen leisten bereits heute einen erheblichen Beitrag zu Wellbeing und sozialer Nachhaltigkeit. Sie müssen diesen Wert nicht erst erzeugen. Die Aufgabe ist eine andere: Wert erkennen, messen, sichtbar machen und weiterentwickeln – und zwar nicht durch neue, komplizierte Berichtspflichten, sondern mit wenigen zusätzlichen, wirkungsorientierten Indikatoren. Und: Nicht jedes Museum muss überall stark sein. Ein Regionalmuseum kann Treffpunkt sein, ein Kunstmuseum ein Ort der Ruhe, ein Freilichtmuseum verbindet Natur und Gemeinschaft. Zusammen ergibt das ein Wellbeing-Netz.

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Mit herzlichem Dank an den Museumsbund Österreich für die Kooperation.

Wir laden Sie ein:

Kommentieren Sie Welcher Wert Ihres Hauses bleibt bisher unerzählt?

Lesen Sie den vollständigen Bericht von Sabine Doolin und Sabine Fauland in „neues museum“ 26/3-4.

Kontaktieren Sie uns bei Fragen, oder wenn Sie Interesse an einer solchen Befragung haben und/oder daran nicht nur die Selbsteinschätzung, sondern auch die Sicht der Besucher:innen zu messen.

Image: QWB Lab
Case study

Der Wert ist vorhanden, doch Österreich's Museen erzählen ihn noch kaum

Österreichs Museen tun viel für Wellbeing und soziale Nachhaltigkeit, erzählen es aber kaum. Das zeigt unsere Erhebung, die wir für den Museumsbund Österreich durchgeführt und am Museumstag 2026 präsentiert haben. Die Frage dahinter: Was leisten Österreichs Museen für das Wohlbefinden der Menschen und für soziale Nachhaltigkeit – und wissen sie das eigentlich selbst? Der Titel verrät die Antwort schon: Der Wert ist vorhanden. Doch Österreichs Museen erzählen ihn noch kaum.

Wir fassen hier die wichtigsten Ergebnisse zusammen.

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350 Museen, 40 Fragen, 12 Dimensionen

Es wurden alle rund 800 registrierten Museen in Österreich angeschrieben, etwa 350 haben mitgemacht und im Zeitraum Juni bis September 2026 40 Fragen beantwortet. Rund die Hälfte der Museen in Österreich wird ehrenamtlich geführt – und so ist es auch in der Stichprobe.

Grundlage der Befragung ist der QWB Lab Rahmen mit zwölf Dimensionen von Wellbeing – inspiriert von der „Beyond GDP“-Initiative der OECD. Die Idee: Gesellschaftlichen Wert nicht nur an Besuchszahlen festmachen.

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Eine Selbsteinschätzung

Wichtig zu verstehen: Wir haben Selbsteinschätzungen erhoben. Die Ergebnisse zeigen also, wie Museen ihren Beitrag selbst sehen – nicht die gemessene Wirkung. Die Abbildung zeigt, wie die Museen ihren eigenen Beitrag zu allen zwölf Dimensionen auf einer Skala von 1 bis 10 bewerten.

Wenig überraschend ganz oben: Wissen und Kompetenzen mit 8,6 und kulturelle Kompetenz mit 8,4. Über 80% geben sich hier 8 bis 10 Punkte. Das ist das klassische Selbstverständnis von Museen. Spannender ist, was direkt dahinter kommt: das Museum als sicherer Ort zum Verweilen für Wohlbefinden und soziale Kontakte – also Bereiche, die in keiner Museumsstatistik auftauchen.Zurückhaltender schätzen sich die Museen bei Gesundheit, Work-Life-Balance und vor allem Einkommen ein – da liegen wir bei 5,2.

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Befund 1: Wellbeing ist längst da

Ein Grundbefund der ganzen Erhebung ist, dass Museen ihren Beitrag zum subjektiven Wohlbefinden mit 7,8 von 10 bewerten– aber nur knapp ein Viertel hat Formate, die ausdrücklich Erholung oder Entschleunigung fördern. Ist das ein Widerspruch? Nein. Die offenen Antworten zeigen: Wellbeing passiert in Museen ständig – beim gemeinsamen Singen, auf dem Spazierweg zwischen den Gebäuden, im Gespräch, in der Ruhe, im Eintauchen in eine Ausstellung. Es wird nur nicht so genannt. Fast zwei Drittel haben kostenfreie Aufenthaltsbereiche ohne Konsumzwang, ein Fünftel kooperiert bereits mit Gesundheitseinrichtungen.

Die Botschaft ist also: Nicht jedes Museum braucht einen Yoga-Kurs. Es geht darum, das Vorhandene bewusst zu gestalten und sichtbar zu machen.

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Befund 2: Praxis vor Verankerung

Die Praxis ist weiter als ihre formale Verankerung.

  • Beteiligung: Drei Viertel der Museen kooperieren mit lokalen Vereinen. Aber nur ein gutes Viertel hat Beiräte oder Programme, die gemeinsam mit der Bevölkerung entwickelt werden.
  • Sicherheit: Museen sehen sich als sichere Orte – mehr als ein Viertel antwortet sinngemäß: „Unser Museum ist auch so ein sicherer Ort.“ Emotionale Sicherheit im Konzept mitgedacht haben aber nur 23 %.
  • Nachhaltigkeit: Ein Drittel hat eine Strategie – aber fast 60 % machen ihre Maßnahmen gegenüber dem Publikum gar nicht sichtbar.

Das heißt: Es wird viel getan, aber wenig davon ist strategisch abgesichert oder wird aktiv erzählt.
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Befund 3: Wirkung wird kaum gemessen

Der vielleicht strategisch wichtigste Befund betrifft die Datengrundlage. Nur 12% der österreichischen Museen befragen ihr Publikum regelmäßig. Feedback-Möglichkeiten gibt es zwar in über 70% der Häuser – aber ein Gästebuch ist noch keine Wirkungsmessung. Gleichzeitig ist das Interesse groß: Knapp drei Viertel würden Daten zum gesellschaftlichen Wert ihres Hauses in der Öffentlichkeitsarbeit nutzen, rund die Hälfte intern und gegenüber Fördergeber:innen.

‍Es fehlt also nicht der Wille – es fehlen Daten, Begriffe und einfache Instrumente.

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Fazit

Österreichs Museen leisten bereits heute einen erheblichen Beitrag zu Wellbeing und sozialer Nachhaltigkeit. Sie müssen diesen Wert nicht erst erzeugen. Die Aufgabe ist eine andere: Wert erkennen, messen, sichtbar machen und weiterentwickeln – und zwar nicht durch neue, komplizierte Berichtspflichten, sondern mit wenigen zusätzlichen, wirkungsorientierten Indikatoren. Und: Nicht jedes Museum muss überall stark sein. Ein Regionalmuseum kann Treffpunkt sein, ein Kunstmuseum ein Ort der Ruhe, ein Freilichtmuseum verbindet Natur und Gemeinschaft. Zusammen ergibt das ein Wellbeing-Netz.

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Mit herzlichem Dank an den Museumsbund Österreich für die Kooperation.

Wir laden Sie ein:

Kommentieren Sie Welcher Wert Ihres Hauses bleibt bisher unerzählt?

Lesen Sie den vollständigen Bericht von Sabine Doolin und Sabine Fauland in „neues museum“ 26/3-4.

Kontaktieren Sie uns bei Fragen, oder wenn Sie Interesse an einer solchen Befragung haben und/oder daran nicht nur die Selbsteinschätzung, sondern auch die Sicht der Besucher:innen zu messen.

Image: QWB Lab